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Authentic Jazz (Vernacular Jazz)

Mit dem Entstehen der ersten Formen der Jazzmusik ab der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts vermischten sich nicht nur die Musik-, sondern auch die Tanzstile der amerikanischen kulturellen und ethnischen Gruppen. Daraus entstanden teils zahllose Modetänze wie Cakewalk, Turkey Trot oder Charleston, aber auch beispielsweise der moderne Stepptanz. All diese Tanzformen fanden Eingang in den Jazztanz als Straßen-, Gesellschafts- und Unterhaltungstanz (Vernacular Jazz Dance, heute meist als Authentic Jazz bezeichnet). Einige der Jazztänze weisen Bewegungsmuster auf, die auf afrikanische und frühe Sklaventänze zurückgehen. Aber auch europäische, arabische, indianische und asiatische Bewegungsmuster fanden Eingang. Um 1940 hatte der Jazz Dance einen ersten Höhepunkt. In den fünfziger und sechziger Jahren wurden Elemente des Jazztanzes in Ballett und Modern Dance integriert. Ab 1960 wurde der so entstandene moderne Jazz und Modern Dance auch in Europa populär. Er betont die Körperlinie, schnelle, genaue Fußarbeit und rhythmische Körperbewegungen. Das Bewegungszentrum ist das Becken. Mit der Renaissance des Swing, besonders des Lindy Hop, wird der Vernacular Jazz Dance wieder gepflegt und verbreitet (allerdings meist ohne Berührung zum modernen Jazztanz, der sich von den Wurzeln fortentwickelt hat). Bekannte Formen sind z.B. der Tranky Doo, Big Apple (beide in den 1930er Jahren enstanden) oder als neuere Form auch der Jitterbug Stroll, der sich Element dieser Tänze entlehnt. Der Shim Sham wird oft auch in diesem Zusammenhang erwähnt und ist under den Lindy Hop Tänzern ein sehr beliebter Gruppentanz, sein Ursprung liegt jedoch im Tap-Dance.

Quelle: Wikipedia / Stephan Joller

Jitterbug

Jitterbug ist nichts anderes als Lindy Hop! Ursprünglich. Cab Calloway bezeichnete die Swing Tänzer in einem seiner Songs Mitte der 30er- Jahren als Jitterbugs (Zitterwanzen). Aus seinem Blickfeld von der Bandbühne sah das Meer von tanzenden und hüpfenden Köpfen aus wie ein grosser Schwarm Zitterwanzen. Ab diesem Zeitpunkt nannte man den Lindy Hop auch Jitterbug.

Heute steht Jitterbug als Oberbegriff für Swing tanzen (let’s go jitterbugin’). Einen eigenständigen Tanz namens Jitterbug gab es nie, allerdings wird in einigen Ländern / Regionen der Begriff Jitterbug für verschiedene Swing Tänze genutzt. Oder der Begriff wird genutzt, um eine Mischung aller Tänze zu bezeichnen.

Quelle: Stephan Joller (Frankie Manning) / Wikipedia

Collegiate Shag

Der Shag ist ein Swing-Tanz aus den 1930er und 1940er Jahren basierend auf frühen Formen des Foxtrott. Heutzutage wird der Shag wieder von Swing-Tanz-Anhängern studiert und getanzt, oft in Kombination mit anderen Swing-Tänzen wie dem Lindy Hop und Balboa. Charakteristisch für Shag (genauer gesagt "Double-Time Collegiate Shag") ist der Rhythmus slow - slow - quick - quick (auf 6 Taktschläge), wobei oftmals in sehr enger Paartanzhaltung getanzt wird. Dabei bleibt der Oberkörper weitgehend ruhig, die Führungshand wird meist nach oben oder unten gestreckt (nicht wie im "klassischen" Gesellschaftstanz zur Seite), während die Beine schnelle und zum Teil auch ausladende Bewegungen durchführen. Slow bezieht sich dabei auf den Gewichtswechsel in 2 Taktschlägen, typischerweise werden mit den Beinen trotzdem zwei Bewegungen ausgeführt, beispielsweise Step - Hop (ein mal mit Gewichtswechsel, ein mal ohne auf demselben Bein). Gerade bei schnellem Tempo müssen die Bewegungen dabei aber durchaus klein werden. Eine der auffallendsten Figuren aus dem Shag sind die Sailor Steps bei denen die Beine auffällig große seitliche Bewegungen ("Schritte") durchführen, das Tanzpaar aber stationär und teilweise sogar in geschlossener Tanzhaltung bleibt. Man muss unterscheiden zwischen •Collegiate Shag (gebräuchlichste Form) •Carolina Shag sowie •St. Louis Shag (verwandt mit dem Charleston) denn diese variieren erheblich, und haben fast nur den Namen (vermutlich aus demselben Slang-Ausdruck entstanden), die Zeit und die Musik (Swing) gemeinsam.

Quelle: Wikipedia

Lindy Hop

In den 1920’s war Charleston der Tanz der Stunde. Dieser wurde im Laufe der Jahre mit anderen Tänzen wie Break Away und Texas Tommy vermischt, bis 1927 dieser neue Tanz das erste Mal Lindy Hop genannt wurde.

Es gibt verschiedene Geschichten, woher der Name Lindy Hop kommen soll. Frankie Manning, Lindy Hop Tänzer und Choreograph der ersten Stunde, erzählt folgende Story:
Shorty Snowden tanzte an einem Tanzanlass 1927 mit einer Partnerin eben diese neuen Figuren und Schritte. Auf die Frage eines begeisterten Reporters, was er denn da tanze, war er nicht vorbereitet. Da fiel ihm die Schlagzeile einer Zeitung ein, die anlässlich des Atlantikflugs von Charles Lindbergh lautete: Lucky Lindy Hopped The Atlantik! So gab er zur Antwort, ‘I am doing the Lindy Hop!'. Von da an nannte man diesen Tanz Lindy Hop, bis 1936 der Bandleader und Showman Cab Calloway ihn auch Jitterbug nannte.

Tatsache ist aber auch, dass ’Hop’ in den frühen 1900’s auch ein Ausdruck für ein Zusammenkommen mit Tanz war. Diese waren bei den College Kids sehr beliebt (in den 1950’s gingen sie dann an die ’Sock Hops’). Viele Tänze führten zu dieser Zeit den Zusatz ’Hop’ im Namen, nicht zuletzt darum, um sie bei den Kids populär zu machen.

Der Savoy Ballroom eröffnete 1926 und war das Hauptziel der Tänzer Harlems. Das regelmässige Tanzen, Austauschen und später auch Messen der Tänzer untereinander trug sehr viel zur Entwicklung des Lindy Hops bei. Sah dieser zuerst eher wie Partnercharleston aus, wandelte sich der Tanz über die Jahre, auch dank der Veränderung des Jazz. Der klassische Swing wurde geboren. Der Savoy Ballroom rühmte sich denn auch, die Geburtsstätte des Swing als Tanzes zu sein, the home of happy feet! Der Tanz begeisterte die Massen, der schnell populär werdende Swing beflügelte auch den Lindy Hop. Immer attraktiver wurden zu dieser Zeit schon Turniere. Der Veranstalter hatte eine Publikumsattraktion und die Tänzer mussten sich immer wieder neue Schritte, Figuren und Abläufe einfallen lassen. Frankie Manning war der erste, der eine Akrobatikfigur mit seiner Partnerin tanzte, damals noch Air Step (Luft Schritt) genannt. Diese Air Steps lösten eine weitere Welle der Begeisterung für den Lindy Hop aus. Der Tanz wurde nun auch als Show Tanz attraktiv, erste professionelle Gruppen formierten sich.

Die besten Tänzer schafften es dann, in einer Profitanzgruppe aufgenommen zu werden und so durch die Staaten, teilweise sogar ausserhalb der USA zu touren. Das war in den späten 30er und den 40er Jahren sicher ein Privileg für die schwarzen Tänzerinnen und Tänzer. Es war aber trotzdem nicht immer einfach, sich in fremden Städten zu bewegen und zu verpflegen.

Die bekannteste dieser Showgruppen war sicher Whitey’s Lindy Hoppers. Whitey hatte im Savoy eine grosse Auswahl an Tänzerinnen und Tänzer und konnte sich so die Besten aussuchen.

Ausgehend von New York dehnte sich der Tanz dank den umherreisenden Bands auch auf den Rest der USA aus. Teilweise wurden aber da bereits erste abgeänderte Formen getanzt.

Der ‘extrovertierte‘, wilde Lindy Hop wurde am Anfang von den Weissen eher argwöhnisch betrachtet, ja an einigen Tanzanlässen gar nicht erlaubt (Swingbands durften teilweise gar keine Swing Musik spielen …!).

In dem sie den Tanz ihrem Umfeld anpassten, entstanden bereits in der damaligen Zeit je nach Region verschiedene Swing Tanzstile, oder Lindy Hop wurde wieder vermischt und es entstanden weitere Swing-Tänze.

Hollywood entging dies alles natürlich nicht. So ist es heute noch möglich, in alten Filmen die besten Tänzer dieser Zeit in einigen Szenen zu bewundern. (zB. Hellzapoppin’, A day at the race, u.a.).

Nach dem Krieg, mit dem Ende der Big Bands, verlor man auch langsam das Interesse am Lindy Hop. Der Jazz entwickelte sich in Richtung nicht tanzbarem Bebop. Aus dem Rhythm’n’Blues entstand langsam eine neue Tanzwelle, die später Jive, Jitterbug, Boogie-Woogie oder sonst wie genannt wurde und Mitte der 50er Jahre einen neuen Boom auslöste. Man tanzte damit zu der neuen Musik, die ein DJ Rock’n’Roll nannte. Bis Mitte 1950’s tourten einzelne Lindy Hop Showformationen noch durch die USA, um auf Bühnen und im TV ihr Können zu präsentieren, aber dann verschwand der Lindy Hop für ein paar Jahrzehnte. Der Lindy Hop war der Wegbereiter, der Vater oder Urgrossvater der späteren Tänze wie Jive, Boogie-Woogie, Rock’n’Roll usw. In Musicals und Tanzproduktionen der 50’s und 60’s wurden immer wieder Tanzbewegungen aus dem Lindy Hop resp. traditionellen Jazz übernommen, der Lindy Hop verschwand aber von der Tanzfläche. Die professionellen Tänzerinnen und Tänzer der grossen Lindy Hop Zeit mussten sich andere Quellen für ihre Einkünfte erschliessen. Einige blieben in verschiedenen Formen im Showbiz, andere suchten sich ’normale’ Jobs. Frankie Manning zum Beispiel arbeitete bei der Post.

Quelle: Stephan Joller

Boogie-Woogie

Boogie-Woogie (der heute so genannte Tanz, nicht zu verwechseln mit der Musik Boogie-Woogie) entstand vermutlich aus dem East Coast Swing, einer vereinfachten Form des Lindy Hop. Amerikanische Soldaten brachten diesen Tanz nach dem Weltkrieg nach Europa, wo ihn die Jugend für sich entdeckte. Der afroamerikanisch geprägte Swing-Tanz wurde dabei jedoch an den europäischen „Geschmack“ angepasst.
Im Gegensatz zu den ursprünglichen Tänzen wird der Boogie-Woogie daher aufrechter, kompakter und oft in klar definierten Linien getanzt. Der Boogie-Woogie ist als Tanz in den USA unbekannt - dort würde man ihn als East Coast Swing oder eine Lindy Hop Variation betrachten. Die "Europäisierung" des Swing-Tanzes setzte sich mit dem Jive und Rock’n’Roll weiter fort. Boogie-Woogie wird nicht, wie man erwarten würde, ausschliesslich auf Boogie-Woogie-Musik getanzt, sondern vorwiegend auf Rhythm’ n’ Blues oder Jump Blues, aber auch Rock’n’Roll, Rockabilly oder Western Swing.
Ein früher Name des Tanzes war vermutlich auch „Rock’n’Roll“; der Name wurde dann geändert um Verwechslungen mit dem akrobatischen Tanz zu vermeiden. Salopp ausgedrückt steht der Tanz Boogie-Woogie heute fürs Tanzen im Stile der 50er-Jahre, also der Ur-Form des Rock’n’Roll.

Quelle: Wikipedia / Stephan Joller